Hautkrebs und dann noch im Gesicht!

Bei unserer ersten Begegnung hatte der reisefreudige Patient vor kurzem erfahren, dass der kleine dunkle Punkt an der Nase sich in einen schwarzen Hautkrebs (Melanom) verwandelt hatte. Glücklicherweise ergaben zusätzliche Abklärungen, dass sich der Krebs nicht weiter im Körper ausgebreitet hat.

Obwohl das Melanom vollständig entfernt worden war, mussten im Umkreis der Narbe allseits 2 cm Gewebe zusätzlich entfernt werden. Für den Patienten war die Nachricht, dass er seine ganze rechte Nasenhälfte verlieren sollte, ein weiterer Schock. Wir diskutierten verschiedene Wiederherstellungsmöglichkeiten, vom Eigengewebe bis zur Prothese, die an einer Brille befestigt sein könnte, und entschieden uns zusammen mit dem Patienten für das Eigengewebe.

Die während der Operation entfernte rechte Nasenhälfte wurde in derselben Operation mit Gewebe von der Wange und Hauttransplantat vom Hals wiederhergestellt. Den Eingriff selbst überstand der Patient gut. Ein nach der Operation vorhandener Bluthochdruck zusammen mit den blutverdünnenden Medikamenten, auf die der Patient wegen Gefässproblemen angewiesen war, führte zu einer ausgedehnten Blutung in der wiederhergestellten Nase, die über Wochen ‹schwarz› aussah. Eine grosse zusätzliche Belastung für den Patienten.
Im Verlaufe der Zeit lösten sich die schwarzen Krusten und gut durchblutetes Gewebe zeigte sich. Was für eine Erleichterung!
Beinahe zwei Jahre nach der belastenden Diagnose ist der Patient tumorfrei, die mit der Haut von der Wange mitverpflanzten Barthärchen auf der Nase lassen sich gut entfernen, und der Patient kann atmen, wagt sich mit der ‹neuen Nase› wieder unter die Leute und auf grosse Reisen. Einzig das Gefühl ist noch nicht vollständig zurückgekehrt, aber das sieht man nicht.
Auch im Rückblick ist die Wiederherstellung der rechten Nasenhälfte mit Eigengewebe die einer Prothese klar überlegene Lösung, die der Patient jederzeit wieder wählen würde.
Prof. Dr. med. Claudia Meuli-Simmen, Aarau

Statement des Patienten: «Ich kann mich wieder im Spiegel anschauen.»