Brustrekonstruktion nach Krebs – operative Möglichkeiten

Alexander Lunger

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau in westlichen Ländern.  Dank der Möglichkeiten der modernen Medizin wird die Krankheit häufig früh erkannt und kann gut behandelt werden. Die Therapie besteht meistens aus einer je nach Stadium, einer Kombination aus Operation sowie Zytostatika-, Hormon- und Strahlentherapie.

Das Ziel einer Rekonstruktion ist es, die Brust wieder so herzustellen, dass sie möglichst ähnlich aussieht wie die eigene vorher (oder die gesunde Gegenseite). Man weiss, dass die Brustrekonstruktion in der Regel die Lebensqualität steigert, da eine körperliche Entstellung durch einseitige Brustentfernung vermieden wird (das sogenannte Mastektomietrauma). Aus diesem Grund wird sie auch allen Patientinnen angeboten und von der Krankenkasse bezahlt. Der Aufbau einer neuen Brust wird von vielen Faktoren beeinflusst und bei der Wahl der Rekonstruktionstechnik spielen sowohl Krankheitsgeschichte, Ansprüche und Wünsche wie auch Körperbau eine grosse Rolle. Dennoch ist eine absolut identische Wiederherstellung nicht möglich, weshalb realistische Erwartungen wichtig sind.

Brusterhaltende Therapie und Onkoplastik

Fortschritte in der Operationstechnik ermöglichen auch bei grösseren Tumoren oft eine brusterhaltende Therapie. Auch wenn die ganze Brust entfernt werden muss, kann fast immer in der gleichen Operation eine Wiederherstellung erfolgen.

Wenn es möglich ist, wird darauf verzichtet, die komplette Brust zu entfernen. Diese Vorgehensweise nennt man «brusterhaltende Chirurgie». Dabei geht es darum, den Tumor komplett zu entfernen, während die natürliche Form der Brust gewahrt wird.

Bei der brusterhaltenden onkoplastischen Operation (Onkoplastik) werden Techniken der Bruststraffung und Brustverkleinerung aus der plastischen Chirurgie mit der Tumoroperation kombiniert mit dem Ziel, das onkologisch sicherste sowie ästhetisch ansprechendste Resultat zu erzielen.

Bei der Brustwiederherstellung gibt es prinzipiell die Möglichkeit der Wiederherstellung mit Eigengewebe und/oder mit Implantaten

Eigengewebe-Rekonstruktion

Burstrekonstruktion mit Fett-Haut-Lappen vom Unterbauch (DIEP-Lappenplastik). Die DIEP-Lappenplastik (Deep Inferior Epigastric Artery Perforator flap, das ernährende Blutgefäss) nutzt überschüssiges Fettgewebe und Haut unterhalb des Bauchnabels für die Rekonstruktion. Die dazugehörigen Blutgefässe werden unter Schonung der Bauchmuskeln herauspräpariert und an die Blutgefässe im Brustbereich angeschlossen. Der Defekt am Bauch wird wie bei einer Bauchdeckenstraffung verschlossen.

Brustrekonstruktion mit Fett und Haut von der Oberschenkelinnenseite (TMG- oder PAP-Lappenplastik) Die Rekonstruktion mit Gewebe von der Oberschenkelinnenseite verläuft ähnlich wie jene mittels Unterbauchgewebe. Es wird Haut- und Fettgewebe von der Oberschenkelinnenseite entnommen und an die Blutgefässe der Brust angeschlossen und wie eine Brust geformt. Im Falle der TMG (transverse myocutane Gracilis)-Lappenplastik wird ein Teil des Grazilis-Muskels am Oberschenkel mitverpflanzt, bei der PAP(Profunda Artery Perforator)-Lappenplastik ist dies nicht nötig. Die Entfernung des Muskelanteils bringt normalerweise keine funktionellen Nachteile mit sich. Diese Technik ist eine gute Möglichkeit für schlanke Personen, welche zu wenig Fettgewebe in der Unterbauchregion haben, um eine Rekonstruktion mit der DIEP-Lappenplastik durchzuführen, oder für jene, die keine Narbe am Bauch wünschen. Die Narbe, welche am Entnahmeort an der Oberschenkelinnenseite zurückbleibt, befindet sich ganz oben an der Innenseite in einer Hautfalte, sodass sie kaum sichtbar ist.

Brustrekonstruktion mit Fett und Haut vom Gesäss (SGAP- (superior gluteal artery perforator) Lappenplastik) Bei diesem Verfahren werden Fett und Haut von der Gesässregion in den Brustbereich transplantiert. Nach der Entnahme bleibt eine Narbe oben am Gesäss zurück. Das Gesäss wird durch die Entnahme flacher.

Brustrekonstruktion mit Implantaten

Wenn nicht genügend überschüssiges Fett vorhanden ist, keine zusätzlichen Narben am Körper gewünscht werden und eine raschere Erholungszeit vorgezogen wird, kann eine Rekonstruktion mit Implantaten die geeignete Option sein. Die Rekonstruktion mit Implantaten kann sowohl bei einseitiger als auch bei beidseitiger Mastektomie angewendet werden. Bei einer einseitigen Operation ist zu bedenken, dass sich Fremdmaterial mittel- und längerfristig anders verhält als das Eigengewebe der gegenseitigen Brust, was verstärkt zu Asymmetrien führen kann.

Wiederherstellung der Brustwarze und des Brustwarzenvorhofes

Falls die Brustwarze entfernt wurde, gibt es die Möglichkeit, die Brustwarze und den Warzenhof (Areola) später ebenfalls zu rekonstruieren. Dazu verwendet man meist Gewebeverschiebungen vor Ort. Dies geschieht aus Symmetriegründen meist erst in einer zweiten Operation. Wenn es um die alleinige Rekonstruktion der Brustwarze und des Warzenhofs geht, kann dies ambulant in lokaler Betäubung durchgeführt werden – ein Spitalaufenthalt ist nicht nötig. Eine weitere Möglichkeit, die Brustwarze wiederherzustellen, ist das Tätowieren – so entsteht die Illusion einer Brustwarze.

Angleichung der gegenseitigen Brust

Oft können gleichzeitig noch Feinkorrekturen und eine Anpassung der gegenseitigen Brust vorgenommen werden. Die hierbei oft verwendete Technik ist das Lipofilling. Dabei wird Eigenfett beispielsweise vom Oberbauch oder Oberschenkel abgesaugt und im Ort des Volumendefizits eingespritzt. Diese Technik kann sowohl nach einer Implantat- als auch nach einer Eigengewebsrekonstruktion angewendet werden.

Kostenfragen

Die Wiederherstellung der Brust wird von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt. Oftmals ist ein Eingriff zum Angleichen der Symmetrie der Gegenweite notwendig, dabei bestehen Unterschiede zwischen den Leistungen der Krankenkassen. Auch ist die Übernahme von der Ausprägung der Asymmetrie abhängig.

Erholung nach der Operation

Die Erholungszeit hängt ganz von der gewählten Art der Brustrekonstruktion ab. Generell ist die Erholungszeit nach Rekonstruktion mit einem Implantat eher etwas kürzer als nach einer Rekonstruktion mit Eigengewebe. Je nach Fitnessstand vor der Operation dauert die vollständige Erholung zirka vier bis zwölf Wochen.

Ihre Fachärztin oder Ihr Facharzt für Plastische Chirurgie wird Sie im Rahmen des Beratungsgespräches über alle Möglichkeiten, welche in Ihrem Fall bestehen, aufklären und gemeinsam mit Ihnen einen individuellen Behandlungsplan erstellen.

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